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Weitere Gesetzesänderungen geplant (Steuervereinfachungsgesetz 2013)

Das alte Jahr ist gerade zu Ende gegangen. Die Gesetze mit Wirkung zum 01. Januar 2013 wurden am 12. Dezember 2012 im Vermittlungs-ausschuss akzeptiert oder abgelehnt. Der Bundespräsident hat die Gesetze noch im Jahr  2012 unterschrieben. Nun wäre etwas Ruhe im Bereich des Steuerrechtes nicht schlecht. Wer das denkt, hat sich leider geirrt. Der Gesetzgeber „bastelt“ an weiteren Gesetzesvorhaben. Der Bundesrat hat am 15. Dezember 2012 einen Gesetzesentwurf für ein Steuer-vereinfachungsgesetz 2013 beschlossen und das Gesetzgebungs-verfahren eingeleitet.
Aus dem Gesetzentwurf sind folgende Änderungen im Hinblick auf Steuervereinfachungen geplant:

  1. Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags (von 1.000 Euro auf 1.130,00 Euro; Hintergrund: weniger Papier im Finanzamt)
  2. Pauschalierung der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer
  3. Zweijährige Gültigkeit von Freibeträgen im Lohnsteuerabzugsverfahren
  4. Erhöhung der Pauschbeträge für behinderte Menschen bei gleich-zeitiger Neuregelung des Einzelnachweises tatsächlicher Kosten und die Dauerwirkung der Übertragung des Pauschbetrags eines behinderten Kindes auf die Eltern
  5. Neuregelung beim Abzug und Nachweis von Pflegekosten
  6. Neuregelung beim Abzug von Unterhaltsleistungen an Personen mit Wohnsitz in Ländern außerhalb des EU/EWR-Raumes
  7. Sockelbetrag von 300 Euro bei der Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen
  8. Vereinfachung des Verlustabzugs nach § 15 a EStG bei Beteiligung an einer Kommanditgesellschaft oder vergleichbaren, in der Haftung be-schränkten Beteiligungen

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen:

In unseren monatlichen Infobriefen werden wir Sie über das Gesetzgebungsverfahren auf dem Laufenden halten. Mit diversen Änderungen ist immer zu rechnen.

Steuerberater Patrick Lerbs
www.kastl-kollegen.de

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Handwerkerrechnungen führen zu einer Steuerermäßigung

Haben Sie in diesem Jahr Kosten an Ihrem privaten Haus gehabt? Musste die Heizung repariert werden oder wurde der Schornstein gereinigt? Dann heben Sie bitte die Rechnungen auf, denn Sie können diese Kosten in der nächsten Steuererklärung geltend machen. Nach § 35a Abs. 3 EStG können Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen zu einer Steuerermäßigung führen. Die Einkommensteuer vermindert sich um 20 % der Aufwendungen, maximal um 1.200 Euro. Dies bedeutet, dass maximal 6.000 Euro an Lohnkosten pro Jahr für Handwerkerleistungen Ihre Steuerbelastung gemindert wird. Damit Sie die Steuerermäßigung auch bekommen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein.

1. Erhaltungsaufwendungen
Steuerlich begünstigt sind nur die Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Handwerkliche Tätigkeiten im Rahmen einer Neubaumaßnahme sind nicht begünstigt. Als Neubaumaßnahme definiert die Finanzverwaltung alle Maßnahmen im Zusammenhang mit einer Nutz- oder Wohnflächenschaffung bzw. Wohnflächenerweiterung.

2. Arbeitskosten
Von der Handwerkerrechnung sind nur die Arbeitskosten steuerlich begünstigt. Es handelt sich dabei um die Kosten für die Inanspruchnahme der Dienstleistung einschließlich der in Rechnung gestellten Fahrtkosten. Materialkosten oder sonstige im Zusammenhang mit der Dienstleistung gelieferte Waren bleiben unberücksichtigt.

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen:

Achten Sie beim Erhalt von Handwerkerrechnung immer darauf, dass der Handwerker die Arbeits- und Materialkosten gesondert ausweist. Nur dann können Sie die Steuerermäßigung optimal in Anspruch nehmen.
Wurde eine Aufteilung vom Handwerker nicht vorgenommen, können Sie eine Steuerermäßigung nicht in Anspruch nehmen. Sprechen Sie den Handwerker an und bitten Sie ihn die Rechnung entsprechend zu
korrigieren.

3. Förderungen vom Staat
Erhalten Sie vom Staat Fördergelder, zinsverbilligte Darlehen (z. B. KfW-Darlehen) oder steuerfreie Zuschüsse, dann können Sie die Steuerermäßigung nicht in Anspruch nehmen.

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A) & Kollegen:

Stehen größere Arbeiten an, ist im Vorfeld zu überlegen, ob zum Beispiel das zinsverbilligte Darlehen, der Zuschuss oder die Steuerermäßigungen die günstigste Varianten sind. Kommen Sie vor der Baumaßnahme zu uns und wir sagen Ihnen, welche Variante aus rechtlicher und steuerlicher Sicht die optimale Lösung darstellt. Haben Sie sich erst einmal entscheiden, können Sie diese bei der Steuererklärung nicht wieder revidieren.

4. Überweisung
Weitere Voraussetzung für die Steuerermäßigung ist es, dass Sie die Rechnung unbar bezahlen. Die Zahlung muss nachweislich auf das Konto des Erbringers erfolgen.

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen:

In der Praxis kommt es des Öfteren vor, dass die Handwerker gerne gleich bar das Geld nach Erbringung der Leistung mitnehmen möchten. Zahlen Sie niemals in bar, denn damit versauen Sie sich eine mögliche Steuerermäßigung. Verlangen Sie eine Rechnung und überweisen den Betrag.

5. Beispiele für Handwerkerleistungen:
Anbei ein paar Beispiele, bei welchen Maßnahmen es sich um steuerbegünstigte Maßnahmen handelt:
Abwasserentsorgung, Austausch von Bodenbelegen, Streichen der Fassade, Dach eindecken, Asbestsanierung, Aufstellen eines Baugerüstes, Austausch Einbauküche, Austausch von Fenstern und Türen, Brandschadensanierung, Dachrinnenreinigung, Wartung von Elektroanlagen, Wartung von Heizung, Gärtnerarbeiten, Gartengestaltung, Graffitibeseitigung, Hausschwammbeseitigung, Schornsteinfeger, Ablesekosten Wasseruhren, Kaminkehrer, Klavierstimmer, Pflasterarbeiten, Pilzbekämpfung,
Wärmedämmaßnahmen………

6. Tätigkeit muss im Haushalt des Steuerpflichtigen erfolgen:
Wichtig für die Steuerermäßigung ist, dass die Maßnahmen im Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden. Erfolgt die Maßnahme außerhalb des eigenen Haushaltes, kommt eine Steuerermäßigung nach dem Gesetz nicht in Betracht. Der eigene Haushalt kann sich im Inland (Deutschland), in der Europäischen Union oder im Europäischen Wirtschaftsraum befinden.

Beispiel:
Sie haben eine Ferienwohnung auf Gran Canaria und lassen Ihren Garten durch einen Gärtner einmal die Woche pflegen. Er bekommt dafür im Jahr 5.000 Euro.
Lösung:
Die Lohnkosten für den Gärtner können Sie in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Es ergibt sich eine Steuerermäßigung in Höhe von 1.000 Euro (20% von 5.000 Euro).

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen:

Nach einer aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (BFH) sind auch Erdund Pflanzarbeiten im Garten des selbstbewohnten Hauses steuerlich begünstigt (BFH-Urteil vom 13.07.2011, VI R 61/10). Dabei ist es unerheblich ob der Garten bereits bestanden hat oder erst neu angelegt wird. Das Neue an der Entscheidung ist, dass auch eine Neubaumaßnahme (erstmalige Anlage eines Gartens) zu einer Steuerermäßigung geführt hat. Der BFH hat dies damit begründet, dass es nicht entscheidend ist, ob etwas Neues geschaffen wird, da dies nicht im Gesetz fixiert ist. Maßgeblich ist nur das Merkmal, dass die Maßnahme im Haushalt des Steuerpflichtigen stattfindet. Da das Einfamilienhaus bereits bewohnt wurde, fanden die Erd- und Pflanzarbeite im Haushalt des Steuerpflichtigen statt. Ein Garten ist für das Bestehen eines eigenen Haushaltes nicht von Bedeutung. Aufgrund der neuen Rechtsprechung wäre nach unserer Auffassung auch der Dachgeschossausbau, wo neuer Wohnraum geschaffen wird, steuerlich über die Steuerermäßigung begünstigt. Sollten Sie weitere Fragen zu Handwerkerrechnungen und der Steuerermäßigung haben, melden Sie sich bei uns.

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen für Handwerker:

Um Ihren Kunden die Möglichkeit zu eröffnen, durch die Inanspruchnahme der Dienstleistung eine Steuerermäßigung zu erlangen, weisen Sie in den Rechnungen die Material und die Lohnkosten gesondert aus. Nur so ist eine Steuerermäßigung möglich. Des Weiteren können Sie auf Ihre Rechnung auf die Möglichkeit der Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen nach § 35 a Abs. 3 EStG hinweisen.

Steuerberater Patrick Lerbs
www.kastl-kollegen.de