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Alles geregelt? Auch richtig? – Wichtiges zur Vorsorgevollmacht

Zum Jahresende nehmen sich viele vor, alles Anstehende zum Abschluss zu bringen und Aufgeschobenes zu erledigen. Bei Vielen gehört dazu auch ihr Testament oder ihre Vorsorgevollmacht. Immer wieder erhalten wir  Vorsorgevollmachten zur Prüfung, bei denen wir feststellen, dass diese aus dem Internet „zusammengebastelt“ wurden – mit gravierenden Folgen:
Ein Beispiel sind Vorsorgevollmachten, in der zwei Personen zusammen bevollmächtigt werden. Der Gedanke des Vollmachtgebers ist nachvollziehbar:
Beide Bevollmächtigte sollen sich gegenseitig kontrollieren und damit der Missbrauch der Vollmacht verhindert werden. Jedoch ist die gemeinsame Bevollmächtigung nicht empfehlenswert: In erster Linie dient die Vollmacht nämlich dazu, dass im Ernstfall der Bevollmächtigte für den Vollmachtgeber handeln kann. Werden zwei Personen bevollmächtigt, müssen diese immer gemeinsam handeln – d. h. sie müssen sich abstimmen, einer Meinung und auch immer beide zur Stelle sein. Dies kann zur Stetigkeiten führen und v.a. dazu, dass nicht schnell genug gehandelt werden kann. Häufig ist auch, dass die Vorsorgevollmacht mit dem Zusatz versehen wird, dass diese nur nach außen verwendet werden darf, wenn der Vollmachtgeber „handlungsunfähig“ ist. Diese Formulierungen führen aber leider dazu, dass gerade der Bevollmächtigte „handlungsunfähig“ ist – also im Ernstfall nicht wie vom Vollmachtgeber gewünscht, tätig werden kann. Immer wenn der Bevollmächtigte nun mit der Vorsorgevollmacht handeln will, muss er gegenüber den Vertragspartnern nachweisen, dass der Vollmachtgeber jetzt gerade „handlungsunfähig“ ist, er als Bevollmächtigter also handeln darf. Dazu benötigt er meist ein aktuelles ärztliches Gutachten. Richtig ist, dass die Vollmacht unbeschränkt erteilt wird, also ohne die Einschränkung „wenn ich handlungsunfähig oder dement bin“. Der Vollmachtgeber kann aber den Bevollmächtigten im Innenverhältnis anweisen – also ohne die Vollmacht selbst zu beschränken-, die Vollmacht nur zu gebrauchen, wenn der Vollmachtgeber nach eigener Einschätzung des Bevollmächtigten nicht mehr handeln kann. Dies setzt natürlich großes Vertrauen zwischen Vollmachtgeber und Bevollmächtigtem voraus. Dies ist aber der Vorsorgevollmacht immanent, denn:
Der Bevollmächtigte kann ab Übergabe der Vollmacht unbeschränkt für den Vollmachtgeber handeln. Daher ist absolutes Vertrauen die Grundvoraussetzung der Bevollmächtigung und Vorsorgevollmacht.

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen

Als kleine Absicherung kann ein Zwischenschritt eingebaut werden: Die Vollmacht wird erstellt, aber der Vollmachtgeber bewahrt die Vollmacht zunächst bei sich zu Hause auf und teilt dem Bevollmächtigten nur mit, wo dieser die Vollmacht im Ernstfall auffindet. Informieren Sie sich zu diesem Thema auch auf unserer Homepage www.kastl-kollegen.de oder unserem YouTube-Kanal „kastlkollgen“ oder sprechen Sie uns an – wir beraten Sie gerne!

Rechtsanwältin Dr. Kerstin Kastl
www.kastl-kollegen.de

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