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Telefonieren mit der Ehefrau: Telefonkosten sind Werbungskosten!

Sie sind längere Zeit beruflich unterwegs und rufen Ihre Ehefrau jeden Abend an? Kann ich die Kosten als Werbungskosten zum Ansatz bringen? Die geführten Telefonate sind privaten Inhalts und können daher eigentlich gem. § 12 EStG nicht als Werbungskosten angesetzt werden. Im Rahmen der doppelten Haushaltsführung ist die Rechtsprechung bereits von dem Grundsatz abgewichen. Dort können private Telefonkosten teilweise abzugsfähig sein,  wenn eine wöchentliche Familienheimfahrt nicht durchgeführt wurde.
Nun geht der BFH noch einen Schritt weiter. In einer neuen Entscheidung hat der BFH entschieden, dass Kosten für Telefongespräche, die während einer Auswärtstätigkeit von mindestens einer Woche Dauer anfallen, als  Werbungskosten abgezogen werden können (BFH vom 05.07.2012, VI R 50/10). Im Streitfall telefonierte ein Marinesoldat während eines längeren Auslandseinsatzes an den Wochenende mit seiner Ehefrau. Die angefallenen Kosten betrugen nachweislich 252 Euro. Der BFH sieht es als gerechtfertigt an, auch Aufwendungen für Telefonate privaten Inhalts, die nach einer mindestens einwöchigen Auswärtstätigkeit entstehen, als beruflich  veranlassten Mehraufwand der Erwerbssphäre zuzuordnen.
In einem solchen Fall werden die privaten Gründe der Kontaktaufnahme etwa mit Angehörigen oder Freunden typisierend betrachtet durch die beruflich/betrieblich veranlasste Auswärtstätigkeit überlagert. Denn bei einer Abwesenheitsdauer von mindestens einer Woche sind die notwendigen privaten Dinge – ebenso wie beispielsweise bei einer doppelten Haushaltsführung aus beruflichem/betrieblichem Anlass – aus der Ferne nur durch über den normalen Lebensbedarf hinausgehende Mehraufwendungen für Telekommunikation zu regeln. Dieser Mehraufwand ist damit ganz überwiegend durch den beruflichen Veranlassungszusammenhang geprägt und mithin nur in ganz untergeordnetem Umfang von Momenten der privaten Lebensführung beeinflusst.

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen:

a) Abzug von privaten Telefonkosten
Nach der Entscheidung des BFH können Mitarbeiter, die länger als eine Woche sich auf einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit befinden, die nachweislich angefallenen Telefonkosten mit der Ehefrau, den Kindern und Eltern als zusätzliche Werbungskosten geltend machen.

b) Abzug von betrieblichen Telefonkosten
Telefoniert der Arbeitnehmer mit seinem privaten Telefon (Festnetz, Handy, etc.) kann der Arbeitgeber diese Kosten als steuerfreien Auslagenersatz erstatten. Für den steuerfreien Auslagenersatz gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Arbeitnehmer kann für einen Zeitraum von 3 Monaten einen vereinfachten Nachweis über das Telefonverhalten führen (z. B. durch Einzelverbindungsnachweise). Ergibt sich danach im Durchschnitt, dass der betriebliche Anteil ca. 50 % beträgt, kann der Arbeitgeber von jeder weiteren Telefonrechnung in der Zukunft einen Anteil von 50 % steuerfrei erstatten. Dies ist solange möglich bis sich das Telefonverhalten nachweislich verändert. Ohne Nachweis kann der Arbeitgeber jeden Monat pauschal 20 % der Telefonrechnung, maximal 20 Euro im Monat steuerfrei erstatten. Dafür brauchen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer keine weiteren  Nachweise führen. Die Finanzverwaltung geht davon aus, dass 20 % als betrieblich eingestuft werden können. Erfolgt keine Erstattung durch den Arbeitgeber, sind die Kosten als Werbungskosten abzugsfähig.

c) Private Telefonate mit dem betrieblichen Telefon
Wer telefoniert nicht schon einmal privat auf der Arbeit. Man bestellt sich die Pizza zum Mittagessen oder ruft seine Frau an um ihr mitzuteilen, dass man bei dem schlechten Wetter gut angekommen ist. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Sachbezug, der versteuert werden muss. Da die Aufzeichnungspflichten für den Arbeitgeber zu groß und fast unmöglich sind, hat sich der Gesetzgeber dazu entschieden, dass die Privatgespräche vom betrieblichen Telefon des Arbeitgebers nach § 3 Nr. 45 EStG steuerfrei sind. Dies gilt nun rückwirkend ab dem Veranlagungszeitraum 2000 auch für die mobilen und internetfähigen Geräte wie IPhone, Tablett-PC, IPad, etc….

Steuerberater Patrick Lerbs
www.kastl-kollegen.de

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