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Kosten für ein Arbeitszimmer bei gemischt genutzten Räumen abzugsfähig?

Nicht jeder hat zu Hause ein eigenes Büro, sondern viele Bürger haben in ihrem Wohnzimmer eine Ecke mit Schreibtisch, an dem die beruflichen Belange erledigt werden.

Bisher scheiterte ein Abzug, da ein eigenes Arbeitszimmer nicht vorgelegen hat, sondern nur ein Raum der gemischt (d. h. privat und beruflich) genutzt wurde.

Der IX. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat mit Beschluss vom 21. November 2013 (IX R 23/12) die Rechtsfrage dem Großen Senat des BFH zur Entscheidung vorgelegt, ob auch aus einem gemischt genutzten Raum Kosten für ein Arbeitszimmer steuerlich abgezogen werden können.

Der Kläger des Ausgangsverfahrens bewohnt ein Einfamilienhaus, in dem sich auch ein – mit einem Schreibtisch, Büroschränken, Regalen sowie einem Computer ausgestattetes – sog. „häusliches“ Arbeitszimmer befindet. Von seinem Arbeitszimmer aus verwaltet der Kläger zwei in seinem Eigentum stehende vermietete Mehrfamilienhäuser. Die Kosten für das Arbeitszimmer machte der Kläger bei seinen Einkünften aus der Vermietung der Mehrfamilienhäuser geltend. Das Finanzamt hat die Kosten nicht zum Abzug zugelassen, da sog. gemischte Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nach der gesetzlichen Regelung in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b des Einkommen-steuergesetzes (EStG) nicht abgezogen werden dürften.

Nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) hat der Kläger nachweislich das Arbeitszimmer zu 60 % zur Erzielung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung genutzt. Das FG hat daher entschieden, dass der Kläger 60 % des von ihm geltend gemachten Aufwands als Werbungskosten geltend machen kann. Es wendet damit die Rechtsprechung des Großen Senats aus dem Jahr 2009 (Beschluss vom 21. September 2009 GrS 1/06), wonach für Aufwendungen, die sowohl beruflich/betriebliche als auch privat veranlasste Teile enthalten (gemischte Aufwendungen), kein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot normiert ist, auch auf das häusliche Arbeitszimmer an.

Der vorlegende IX. Senat folgt dem. Er geht davon aus, dass Aufwendungen für abgeschlossene häusliche Arbeitszimmer, die (in zeitlicher Hinsicht) nur teilweise beruflich bzw. betrieblich genutzt werden, aufzuteilen sind. Der danach (anteilig) steuerlich zu berücksichtigende Aufwand ist nach Maßgabe der Regelung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b EStG abzugsfähig.

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen:

Bei der o. g. Entscheidung durch den IX. Senat geht es um die Mischnutzung eines abgeschlossenen Arbeitszimmers im Bereich der Vermietung und Verpachtung. Nach unserer Auffassung ist das Ergebnis auch auf die Fälle anzuwenden, bei denen z. B. ein großes Wohnzimmer mit Arbeitsecke sowohl für private als auch für berufliche Zwecke genutzt wird. Der Aufteilungsmaßstab hier wären die qm für die unterschiedlichen Bereiche.

Der Große Senat tritt nur zusammen, wenn er von einem Senat des BFH angerufen wird. Dies ist vor allem der Fall, wenn der vorlegende Senat in einer Rechtsfrage von einer Entscheidung eines anderen Senats abweichen will. Darüber hinaus ist – ohne dass eine Abweichung von einem anderen Senat vorliegt – eine Vorlage auch möglich, wenn eine grundsätzliche Rechtsfrage zu klären ist. Der Große Senat hat elf Mitglieder und trifft eine für den vorlegenden Senat verbindliche Entscheidung.

Rechtsbehelfsempfehlung:

Steuerpflichtigen, die Räume sowohl für private als auch für berufliche Zwecke nutzten, sollten die Einkommensteuerbescheid mit Rechtsbehelfen anfechten und den Fall bis zur Entscheidung des Großen Senates zum Ruhen nach § 363 AO bringen.

Steuerberater Patrick Lerbs

http://www.kastl-kollegen.de

Weitere Gesetzesänderungen geplant (Steuervereinfachungsgesetz 2013)

Das alte Jahr ist gerade zu Ende gegangen. Die Gesetze mit Wirkung zum 01. Januar 2013 wurden am 12. Dezember 2012 im Vermittlungs-ausschuss akzeptiert oder abgelehnt. Der Bundespräsident hat die Gesetze noch im Jahr  2012 unterschrieben. Nun wäre etwas Ruhe im Bereich des Steuerrechtes nicht schlecht. Wer das denkt, hat sich leider geirrt. Der Gesetzgeber „bastelt“ an weiteren Gesetzesvorhaben. Der Bundesrat hat am 15. Dezember 2012 einen Gesetzesentwurf für ein Steuer-vereinfachungsgesetz 2013 beschlossen und das Gesetzgebungs-verfahren eingeleitet.
Aus dem Gesetzentwurf sind folgende Änderungen im Hinblick auf Steuervereinfachungen geplant:

  1. Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags (von 1.000 Euro auf 1.130,00 Euro; Hintergrund: weniger Papier im Finanzamt)
  2. Pauschalierung der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer
  3. Zweijährige Gültigkeit von Freibeträgen im Lohnsteuerabzugsverfahren
  4. Erhöhung der Pauschbeträge für behinderte Menschen bei gleich-zeitiger Neuregelung des Einzelnachweises tatsächlicher Kosten und die Dauerwirkung der Übertragung des Pauschbetrags eines behinderten Kindes auf die Eltern
  5. Neuregelung beim Abzug und Nachweis von Pflegekosten
  6. Neuregelung beim Abzug von Unterhaltsleistungen an Personen mit Wohnsitz in Ländern außerhalb des EU/EWR-Raumes
  7. Sockelbetrag von 300 Euro bei der Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen
  8. Vereinfachung des Verlustabzugs nach § 15 a EStG bei Beteiligung an einer Kommanditgesellschaft oder vergleichbaren, in der Haftung be-schränkten Beteiligungen

Hinweis der Kanzlei Kastl (M.A.) & Kollegen:

In unseren monatlichen Infobriefen werden wir Sie über das Gesetzgebungsverfahren auf dem Laufenden halten. Mit diversen Änderungen ist immer zu rechnen.

Steuerberater Patrick Lerbs
www.kastl-kollegen.de