Sicher im Straßenverkehr: Rechte und Pflichten im Straßenverkehr

Viele Radfahrer haben – obwohl meist sogar im Besitz eines Führerscheins – Wissenslücken hinsichtlich ihrer Rechte und Pflichten im Straßenverkehr. Wir klären die wichtigsten Fragen:

Alkohol und Führerschein

Radfahren im betrunkenen Zustand ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern bereits bei geringer Alkoholisierung eine Straftat, wenn es zu entsprechenden Ausfallerscheinungen, etwa dem Fahren von Schlangenlinien oder gar einem Unfall kommt.

Wer beispielsweise 2 Maß Bier trinkt und dann ein Fahrrad mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 ‰ oder mehr führt, gilt sogar als absolut fahruntüchtig. Das heißt, es kommt für die Strafbarkeit nicht darauf an, ob ein alkoholbedingter Fahrfehler vorlag oder nicht.

 Nach dem Radfahren mit 1,6 ‰ oder mehr ist der Pkw-Führerschein zwar nicht direkt weg, weil die Straftat ja nicht mit einem Kraftfahrzeug begangen wurde. Allerdings wird die Fahrerlaubnisbehörde eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) anordnen, da ein stark alkoholisierter Fahrer ungeeignet zur Führung eines Kraftfahrzeugs sein könnte. Kann ein entsprechend positives Gutachten nicht beigebracht werden, ist mit der Entziehung der Fahrerlaubnis zu rechnen.

Freihändig fahren

Die Straßenverkehrsordnung untersagt nur freihändiges Fahren. Das Radfahren mit einer Hand am Lenker dagegen ist statthaft.

Kinder

Kinder bis zum vollendeten 7. Lebensjahr dürfen von mindestens 16 Jahre alten Personen auf dem Fahrrad mitgenommen werden. Dafür muss ein besonderer Sitz vorhanden und Vorsorge getroffen sein, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können.

Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr müssen auf dem Fahrrad den Gehweg benutzen Und bis zum vollendeten 10. Lebensjahr dürfen sie dies auch noch. Für begleitende Eltern aber ist der Gehweg stets tabu; sie müssen auf der Straße fahren.

Kopfhörer und Mobiltelefon

Walk- oder Discman sind beim Fahrradfahren grundsätzlich nicht verboten; nur die akustische Wahrnehmung darf nicht beeinträchtigt werden. Der Knopf im Ohr muss also entsprechend leise eingestellt sein.

Anders verhält es sich bei Mobiltelefonen: Wer sein Handy liebt, der schiebt – oder steht. Sonst kann ein Telefonat ohne Freisprecheinrichtung oder eine SMS schnell 25,00 Euro kosten.

Radwegbenutzung

Radfahrer – und damit auch Rennradfahrer – sind grundsätzlich verpflichtet, Radwege zu benutzen, die neben der Fahrbahn verlaufen und in der jeweiligen Fahrtrichtung mit weißen Fahrrad-Symbolen auf blauen Schildern als solche ausgewiesen sind. Sonst droht ein Bußgeld von mindestens 15,00 Euro.

Und: Wer als Falschfahrer in einen Unfall verwickelt wird, muss bestenfalls mit einer erheblichen Teilschuld rechnen.

Besondere Vorsicht ist auf Radwegen geboten, die als gemeinsame Geh- und Radwege dienen. Denn hier dürfen Sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit fahren und müssen besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen.

Kann man den Radweg nicht durchgängig benutzen, etwa weil er im Winter nicht geräumt ist, darf man auf die Fahrbahn ausweichen, nicht aber auf den Gehweg. Denn grundsätzlich gilt für Fahrradfahrer ab einem Alter von zehn Jahren: Der Gehweg ist tabu; er ist ausschließlich den Fußgängern vorbehalten.

Anders verhält es sich nur bei Gehwegen, die durch weißes Zusatzschild für Radfahrer freigegeben sind. Diese dürfen Sie auch mit dem Fahrrad benutzen. Dabei werde Sie aber als Fahrradfahrer zum „Fußgänger auf Rädern“ und müssen sich auch entsprechend verhalten. Das heißt, Sie dürfen nur Schrittgeschwindigkeit (4 bis 7 km/h) fahren und müssen gegenüber Fußgängern zurückstehen

Zebrastreifen

Wenn Sie mit dem Fahrrad die Fahrbahn an einem Zebrastreifen fahrend überqueren, haben Sie – entgegen einer ebenso weit verbreiteten wie irrigen Meinung – keinen Vorrang vor dem Verkehr auf der Fahrbahn. Dieses Recht können nur Fußgänger und Rollstuhlfahrer in Anspruch nehmen; d. h. Radfahrer nur dann, wenn sie rechtzeitig absteigen und ihr Fahrrad als Fußgänger schieben.

Rechtsanwalt Roland Thalmair
www.Kastl-Kollegen.de
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